Sabina Tempel: Sound of Submission, Leseprobe

9 1. Kapitel onny warf den Rucksack in die Ecke. Er ging zu dem großen schwarzen Kühlschrank und nahm sich eine Büchse kühles Bier heraus. Zischend entwich der Sauerstoff, als er die Dose öffnete. Müde war er, erschöpft von der langen Reise. Er zog den billigen Plastikstuhl vom Tisch und setzte sich. Zärtlich ließ er seine Hände über die Gitarre und die Flöte gleiten. Er liebte es, die Instrumente zu berühren, genauso, wie er es genoss, ihnen Töne zu entlocken. Auf seinen Reisen hatte er gelernt, Flöten zu schnitzen. Doch nie war es ihm gelungen, auch nur annähernd an die Perfektion des alten Indianers heranzukommen, der ihm seine Kunst gezeigt hatte. Im Blut musste es einem liegen, hatte der ihm erklärt. Aber nicht nur das, man musste die Melodie im Wind hören, ihr Streicheln um die Felsen wahrnehmen und sich den alten Geschichten nicht ver- wehren. Geschichten, die vom Werben erzählten, vom Werben eines Mannes um seine Auserwählte. Manche Melodien erzählten auch von Freiheit, von der Schönheit des Lebens, von Freude oder auch von Trauer. Melodien waren wie das Leben selbst. Nur wer an all das dachte, es fühlte, war in der Lage, ein perfektes Instrument zu bauen und fähig, ihm die Töne zu entlocken, die es her- vorbringen konnte. Aber nicht nur das, der Musiker sollte auch den Baum kennen, von dem er das Holz nahm. Nur wer eins war mit der Natur, dem war es erlaubt, die Kunst der Töne zu erlernen. Jonny hatten diese Geschichten begeistert, ihn mit ihrer Magie eingehüllt. Gern wäre er länger geblieben in diesem Land der roten Erde und des

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