Bettina Ferbus

35 3. Kapitel Laura aura hätte sich am liebsten auf die Lippen gebissen. Warum in aller Welt hatte sie das gesagt? Was war aus ihrem Vorsatz geworden, sich von Vampiren fern- zuhalten? Ihr Herz flatterte, und ihre Finger krampften sich in die Bettdecke. Sie hatte Angst, und gleichzeitig irgendwie doch nicht. Ein vollkommen verrückter Zustand. Zum ersten Mal fühlte sie sich von einem Vampir nicht abgestoßen. Ganz im Gegenteil. Sie wünschte sich, er würde näher kommen, sie anlächeln und vielleicht sogar berühren. Ein kleiner Teil von ihr traute der Situation nicht, raunte leise Warnungen in ihrem Hinterkopf. Lass dich von der Fassade nicht täuschen. Das ist nur seine Masche, um dich in Sicherheit zu wiegen. Innerlich zuckte sie jedes Mal zusammen, wenn seine ver- längertenEckzähne zu sehenwaren, auchwenn sie amliebsten im selben Moment die Hand nach ihm ausgestreckt hätte. Vielleicht war es wirklich die in ihren Zellen abgespeicherte Erinnerung an all die Schmerzen und Erniedrigungen, die sie in den letzten Jahren hatte erdulden müssen. Aber Christian war vollkommen anders als alle Vampire, die sie kannte. Ihm fehlte die selbstbewusste Überheblichkeit. Wahrscheinlich würde er auch nicht in eine Bar gehen, in der sich Menschen und Vampire trafen und, nachdem ein paar Scheine ihren Besitzer gewechselt hatten, in Separees ver- schwanden, um Blut oder auch andere Körperflüssigkeiten auszutauschen. Das Personal wurde zwar nicht gezwungen, als Blutspender zur Verfügung zu stehen, aber der Job war so schlecht bezahlt, dass manchmal nichts anderes übrigblieb, als sich auf diese Weise etwas dazuzuverdienen.

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