Bettina Ferbus

19 2. Kapitel Christian it einem Ekel erregenden Schmatzen sprang die Schulter wieder in ihr Gelenk zurück. Christian zuckte zusammen. Selmas Ausbildung als Notfall- sanitäterin hatte sich wieder einmal bezahlt gemacht, aber ihm war übel. Mara grinste breit und stieß ihn mit dem Ellbogen an. »Wenn sie wach sind, ist es schlimmer. Dann schreien sie auch noch.« Christian drehte den Kopf weg und starrte in den dunklen Wald. Mara liebte es, ihn aufzuziehen, weil er so zart besaitet war. Seine Finger krampften sich um Fritzis Zügel. Das alte Norikerpferd ließ den Kopf hängen und döste vor sich hin. Der Wallach hatte sich längst damit abgefunden, dass alle Zweibeiner verrückt waren. Ihn konnte so leicht nichts mehr erschüttern. »Rede nicht so gescheit, Mara. Helft mir lieber, sie auf den Karren zu legen.« Selma hörte sich wieder einmal an wie ein Feldwebel. Christian war froh, sich damit herausreden zu können, dass er das Pferd festhalten musste. Auch wenn alle wussten, dass es nicht notwendigwar. Fritzi, desseneinst lackschwarzes Fell sich an den Schläfen eisgrau verfärbt hatte, ahnte stets im Voraus, was von ihm erwartet wurde. Aus seiner Zeit als Holzrückepferd war er es gewohnt, selbständig zu arbeiten. »Kevin, du nimmst die Füße. Mara, du hilfst mir mit dem Oberkörper.« Christian sah nicht hin. Die vielen Prellungen und Abschürfungen, die den zarten Frauenkörper verunstalteten, verursachten ihm Übelkeit.

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